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SWR-Bericht: Wie das Krankenhaus Salem in Heidelberg klimaneutral werden will
Das Krankenhaus Salem will bis spätestens 2045 klimaneutral werden. Dabei soll unter anderem ein Gerät helfen, das das eigentlich klimaschädliche Lachgas unschädlich machen kann: Neben Flugreisen oder Kreuzfahrten verursacht auch das Gesundheitswesen Treibhausgasemissionen. Vor allem Lachgas ist sehr klimaschädlich. Deshalb setzen Kliniken es teilweise nicht mehr ein. Auch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) empfiehlt, auf Lachgas zu verzichten. Dabei geht es um medizinisches Lachgas und nicht etwa um die Partydroge, die zuletzt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat.
Das Krankenhaus Salem im Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim hat allerdings für sich eine Lösung gefunden, um Lachgas weiter anbieten zu können: Seit einigen Wochen setzt es als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland auf die sogenannte „Cracking-Unit". Mit diesem Gerät wird das Lachgas „völlig unschädlich", so das Krankenhaus. Es ist eine von mehreren Klimaschutz-Maßnahmen. Denn das Salem möchte nach eigenen Angaben bis spätestens 2045 klimaneutral sein.
Salem setzt klimaschonendes Lachgas erfolgreich ein
Lachgas kann bei einer Geburt wichtig sein, erzählt die Oberärztin der Geburtshilfe am Salem, Petra Beuter-Winkler, im SWR-Interview. Zum Beispiel bei einer „schnellen Entbindung, in der Pressphase oder auch nach der Geburt, wenn noch etwas versorgt werden muss. Wir sind froh, dass wir es haben.“
Die Anästhesistin und Klimamanagerin am Salem, Stephanie Snyder-Ramos, hat die „Cracking-Unit" nach Heidelberg geholt. Das Gerät sei bereits im Ausland im Einsatz - zum Beispiel in Kanada oder Australien. Dabei wird das überschüssige Lachgas aus der Atemmaske in seine beiden Bestandteile Stickstoff und Sauerstoff zerteilt und „völlig unschädlich" gemacht. Die beiden Gase gehen dann wiederum getrennt in die normale Umgebungsluft, so Snyder-Ramos. Denn die sei „ja auch ein Gemisch aus Sauerstoff und Stickstoff". Stephanie Snyder-Ramos hofft, dass die „Cracking-Unit" in Zukunft weiter verbreitet wird: „Es soll auch eine Signalwirkung für andere Krankenhäuser haben."
Neben der „Cracking-Unit" hat sich die Klimamanagerin in der Vergangenheit auch schon im OP für mehr Klimaschutz eingesetzt: Dank eines Narkosegasfilters können die Narkosegase bei Operationen wiederverwendet werden, so Snyder-Ramos. Narkosegase sind Treibhausgase und deutlich schädlicher als Kohlenstoffdioxid (CO2). Aber auch kaputte Lampen im OP habe man ausgetauscht sowie die Klima- und Lüftungsanlage optimiert.
Strategien für mehr Nachhaltigkeit – klimaneutral bis spätestens 2045
Um die Klimaneutralität bis spätestens 2045 erreichen zu können, braucht es laut Stephanie Snyder-Ramos eine „richtige Nachhaltigkeitsstrategie" samt Priorisierung. Damit habe man genaue Ziel- und Zeit-Vorgaben, bis wann man wie viel Prozent CO2-Äquivalente reduzieren möchte. Die größte Herausforderung sei dabei die Finanzierung. „Vor allem, wenn man an Großprojekte denkt, wie die Gebäude-Hülle oder das Austauschen von Fenstern." Das könne man nicht so einfach stemmen, da sei „auch ein bisschen die Politik gefragt", so Snyder-Ramos.
Seit 2020 laufen die Klimaschutz-Maßnahmen am Salem. Inzwischen habe man im Vergleich zu 2019 den ökologischen „Fußabdruck um elf Prozent reduzieren können", so die Klimamanagerin. Außerdem seien auch Kosten gespart worden: „Im Jahr 2022 konnten wir über 77.000 Euro einsparen. Und das ist natürlich wieder Geld, was wir für andere Maßnahmen benutzen können."