
Klinik
Alltag in der ZNA: Zwischen Routine
und Ausnahmesituation
Wenn Jana Laumann über ihre Arbeit spricht, wird eines sofort deutlich: Hier spricht eine Frau mit Herzblut. Viel Herzblut. Seit fast zwei Jahrzehnten ist sie Teil des Salem-Teams, seit 2024 leitet sie die Zentrale Notaufnahme – kurz ZNA. Eine Abteilung, die nicht nur medizinisch, sondern auch organisatorisch das Rückgrat jeder Klinik bildet. „Ich habe es nie bereut, Krankenschwester geworden zu sein – trotz aller Höhen und Tiefen“, sagt Laumann. 1992 schloss sie ihre Ausbildung ab, seit 2006 arbeitet sie im Salem-Krankenhaus. Ihre Zusatzausbildung in der Akut- und Notfallpflege qualifiziert sie für die anspruchsvolle Leitung der ZNA – und das mit Weitblick. „Ja, hier und da müssen wir – was unsere hausinternen Strukturen betrifft – schonmal nachbessern. Und ja, manches Mal mangelt es auch an der Kommunikation. Aber im Vergleich zu anderen Häusern stehen wir gut da. Die Atmosphäre ist familiär. Die Wege sind kurz. Man kennt sich und spricht sich mit Namen an.“
Strukturierte Abläufe und professionelle Erstversorgung im Salem
Die Notaufnahme eines Krankenhauses wird oft als Visitenkarte angesehen, da sie naturgemäß der erste Anlaufpunkt für Notfall-Patienten ist. Im Salem-Krankenhaus gibt es hierfür ein klug durchdachtes, erfolgreiches Konzept, das Jana Laumann so beschreibt: „Klar definierte Abläufe, ein gut strukturiertes Zeitmanagement und eine jederzeit professionelle Erstversorgung. Ich bin stolz auf mein Team. Bei uns greift jedes Rädchen ins nächste. Wir unterstützen uns gegenseitig. Jeden Tag. Jede Stunde. Das macht uns stark.“
Mit derzeit 18 Mitarbeitenden – nicht alle in Vollzeit – ist das Team relativ klein. Zwei Fachpflegekräfte für Notfallmedizin sind bereits an Bord, weitere befinden sich in Ausbildung. „Wir stocken auf. Bewerbungen liegen auf meinem Tisch. Das ist auch ein Erfolg gezielter Ausschreibungen und persönlicher Kontakte.“ Doch trotz aller Fortschritte bleibt der Arbeitsalltag fordernd – auch emotional. „Wir haben Phasen, in denen das Patientenaufkommen explosionsartig ansteigt“, erklärt Jana Laumann. „Wenn Rettungswagen, Notfälle und laufende Fälle gleichzeitig eintreffen, wird es eng. Dann braucht es Prioritäten, klare Kommunikation und Nervenstärke.“ In Stoßzeiten – etwa mittwochs und freitags nachmittags, wenn Hausarztpraxen geschlossen sind – verwandelt sich die Notaufnahme fast in eine hausärztliche Anlaufstelle.
Pflegerische Leitung Jana Laumann stolz auf eingespieltes Team
Laumann: „Wir schicken niemanden weg, aber wir klären auf – nicht jede Patienten-Beschwerde gehört in die Notaufnahme.“ Besondere Herausforderungen entstehen bei angespannten oder gar aggressiven Patientinnen und Patienten. „Glücklicherweise hatten wir bislang keine Übergriffe, aber verbale Eskalationen kommen vor“, weiß die erfahrene Krankenschwester. „Wir sind zum Teil geschult, stehen in engem Austausch mit der Polizei, die unsere Räumlichkeiten kennt und bewertet hat. Zivilcourage und Deeskalation sind wichtige Kompetenzen.“ Ihre Führungsphilosophie ist klar: „Ich schütze mein Team und kann auch sehr deutlich auftreten, wenn es die Situation erfordert.“ Jana Laumanns Arbeitstag beginnt früh – mit Kaffee und Übergabe. Administrative Aufgaben wie Dienstplanung, Abrechnung und Bestellungen schiebt sie in die ruhigeren Morgenstunden. Doch sobald der Betrieb anzieht, ist sie mitten im Geschehen. „Ich arbeite zu 100 Prozent mit, das ist mir wichtig. Ich bin keine Büro-Leitung.“ Nachtdienste übernimmt sie nur sporadisch – auf Wunsch der Pflegedienstleitung, die ihre Tagespräsenz wünscht. Doch auch in der Nacht möchte sie den Überblick behalten: „Ich will wissen, was passiert, auch wenn ich nicht vor Ort bin.“ Besonders froh ist Jana Laumann, dass sie mit Christina Ambrose eine Stellvertreterin in ihrem Team hat, auf die sie sich zu 100 Prozent verlassen kann: „Ohne Christinas Expertise, ohne ihr Fachwissen und ohne ihre Empathie würde ich viele Dinge im Krankenhaus-Alltag gar nicht schaffen.“
Nicht jede Beschwerde gehört in die Notaufnahme
Rund 3.500 Patientinnen und Patienten wurden 2024 in der ZNA versorgt. In diesem Jahr werden um die 6000 Patienten erwartet. Das Salem positioniert sich damit als verlässlicher, niedrigschwelliger Anlaufpunkt. „Wir führen Erstdiagnostik und Akutbehandlung durch und entscheiden dann, ob eine stationäre Aufnahme notwendig ist oder die Weiterbehandlung ambulant erfolgen kann.“
Jana Laumann bedauert ein wenig, dass die Bedeutung der Notaufnahme unterschätzt wird. „Lob bekommen meist die Stationen. Oder die operierenden Ärzte. Natürlich freuen wir uns darüber. Dass wir – die Notaufnahme - aber am Anfang der Kette stehen, werden leider oft vergessen. Das ist schon schade.“ Deshalb appelliert sie an die Patienten, auch das Engagement ihres Teams zu würdigen. „Ein paar wertschätzende Worte können viel bewirken. Mein Team hat das allemal verdient.“
Ob sie abschalten kann? „Schwierig“, sagt Jana Laumann. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Wenn ich irgendwann nichts mehr fühle, höre ich auf.“ Der Beruf verlangt viel – auch vom privaten Umfeld. „Ohne einen verständnisvollen Partner“, weiß die „Salemerin“, „funktioniert es nicht.“ Des Öfteren werde sie gefragt, ob ihr Beruf auch eine Belastung sei. Nein, entgegnet Jana Laumann, das Gegenteil sei eigentlich der Fall: „Mein Job ist auch eine Quelle der Kraft. Er gibt mir Energie. Durch das Miteinander. Durch das Feedback unserer Patienten. Und nicht zuletzt durch die kleinen Erfolge im Alltag.“